Meine Operation ist nun bereits sieben Wochen her. Ich trage seitdem eine etwa zehn Zentimeter lange Narbe, die mich für den Rest meines Lebens an diesen Schrecken erinnern wird. Noch ist sie rot und sehr sensibel, ebenso wie ich, wenn es um dieses Thema geht. Doch sie wird, genauso wie meine Angst, mit der Zeit verblassen. Eines Tages wird sie nicht mehr als ein Mahnmal sein, das mich daran erinnert auf mich aufzupassen und das Leben zu genießen. Sie wird mir ins Gedächtnis rufen, was ich für ein Glückspilz bin, wenn ich glaube, vom Pech verfolgt zu werden. Und sie wird mich täglich daran erinnern, für alles dankbar zu sein. Ich habe also nicht vor, sie zu verstecken, sondern sie mit viel Stolz zu tragen.
Glück und Unglück sind letztendlich nur eine Frage des Blickwinkels. Dazu habe ich vor einigen Jahren auch mal eine kurze Geschichte gelesen, die mich seitdem immer begleitet hat. Heute möchte ich sie gern mit euch teilen, weil ich hoffe, dass sie euch hilft, die Dinge in eurem Leben anders zu betrachten.

In einem kleinen Dorf in den Bergen lebte ein Bauer. Er hatte einen Sohn und ein Pferd. Eines Tages rannte das einzige Pferd weg. Alle Nachbarn bedauerten ihn und sagten: »Welch ein Pech, welch ein Unglück!« Der Bauer aber sagte nur achselzuckend: »Glück oder Unglück?«
Am nächsten Tag kam das Pferd wieder zurück und mit ihm zehn Wildpferde. Auf einmal hatte der Bauer nun elf Pferde. Und die Nachbarn sagten: »Welch ein Glück!« Der Bauer sagte wieder nur: »Glück oder Unglück?«
Am nächsten Tag versuchte sein Sohn, auf einem der Wildpferde zu reiten. Er fiel vom Pferd und brach sich ein Bein. Die Nachbarn sagten: »Welch ein Pech, welch ein Unglück!« Doch der Bauer sagte nur: »Glück oder Unglück?«
Am nächsten Tag kam die Armee in das Dorf, da sich das Land gerade im Krieg befand und alle jungen Männer wurden als Soldaten eingezogen. Den Sohn des Bauern nahm die Armee jedoch nicht mit, da er ein gebrochenes Bein hatte.

Ich liebe diese Geschichte, weil sie einem auf einfache Weise vermittelt, dass man Geschehnisse, nicht sofort als Glück oder Unglück betrachten kann. Auch das größte Pech kann sich später als pures Glück herausstellen. Manchmal muss man den Dingen einfach Zeit lassen, um sie tatsächlich erkennen zu können. Ich glaube nicht, dass mich Gott, oder das Schicksal, oder irgendwas bestrafen wollte. Stattdessen erkenne ich einfach an, dass ich in dieser kurzen Zeit viel gelernt habe. Ganz besonders über mich selbst. Ich bin also dankbar, für all das Glück, dass ich hatte. Nach alldem kann ich euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen und vielleicht bleibt eine Erinnerung an meine persönliche Geschichte in euch zurück. Vielleicht denkt ihr daran, wenn euch alles zu viel wird, ihr euch über unwichtige Kleinigkeiten ärgert, oder glaubt im Unglück zu baden. Wenn meine eigenen Erfahrungen dazu beitragen, dass ihr euch nicht zuviel zumutet, euer großes Glück anerkennt und einfach dankbarer seid, dann hat mein Schicksal auch euer Leben positiv beeinflusst und das ist ein wunderschöner Gedanke.

Im Dezember steht noch meine Nachuntersuchung an, aber wir alle sehen dem sehr positiv entgegen. Wenn die Ärzte mir mitteilen, dass alles in Ordnung ist, werde ich als vollkommen gesunder Mensch entlassen. Für die Zukunft habe ich mir daher auch schon ein paar Dinge vorgenommen, auf die ich mich jetzt schon sehr freue. Neben einer bislang unerfüllten Reise, dreht sich auch vieles rund ums Schreiben. Wer also über diese Beiträge hinaus an meinen Büchern, neuen Blogbeiträgen und vielleicht auch an meinem Leben interessiert ist, den lade ich ein, mich auf meinem weiteren Weg zu begleiten. Bald wird es neben den sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram auch wieder Videos auf YouTube geben. Dafür könnt ihr mir auch gern zu diesem Thema Fragen stellen. Falls der eine oder andere dabei ist, der seine eigenen Erfahrungen noch mit mir teilen möchte, der darf mir natürlich auch weiterhin Mails schicken. Ich liebe es, mich mit euch auszutauschen. Das hilft euch vielleicht ja genauso wie mir.

Vielen Dank für die Zeit, die ihr meinen Erfahrungsberichten gewidmet habt. Ihr habt mir mit eurer Aufmerksamkeit und eurem Feedback sehr geholfen. Wenn ihr mögt, dürft ihr diesen Beitrag teilen und ihn so wie die anderen in die Welt hinausschicken. Ich habe alles Verdrängte mit diesen Texten einmal losgelassen und werde nun voller Freude nach vorn sehen.

Passt auf euch auf.

Christin